Kategorie Innovation & Technologie - 27. April 2020

Über EMILIA zum SUV der Cargobikes

Elektrisches Lastendreirad aus BMK Forschungsprojekt EMILIA ging in Serienproduktion

Wie können Güter in urbanen Räumen sauber und effizient transportiert werden? Für den Transport von Lasten kommen in Städten nach wie vor zumeist Autos zum Einsatz. Doch auch für die Bewegung von Fracht, die mit einem normalen Fahrrad nicht zu bewältigen ist, gibt es längst Alternativen. Lastenräder, ob mit oder ohne E-Antrieb, gehören seit geraumer Zeit schon zum Stadtbild dazu. Lieferdienste, Nahversorger, kleine Firmen und auch Postanbieter setzen auf die stetig weiterentwickelten Cargobikes.

 

Auch ein Forschungsprojekt des Bundesministerium fürDur Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) beschäftigte sich mit dieser Materie. Electric Mobility for Innovative Freight Logistics in Austria oder einfach EMILIA hieß es, wurde 2014 über den Klima- und Energiefonds im Rahmen des Programmes Leuchttürme der Elektromobilität ins Leben gerufen und bereits 2017 unter der Leitung des AIT Austrian Institute of Technology erfolgreich abgeschlossen.

In den drei Jahren wurden in einem Open-Innovation-Prozess Ideen gesammelt, neue Technologien entwickelt und deren Praxistauglichkeit unter Beweis gestellt. Daraus hervorgegangen ist auch ein High-Tech-Lastendreirad, welches nun in Serienproduktion gegangen ist und ab dieser Woche erstmals ausgeliefert werden wird.

Das elektrische Lastenrad von GLEAM hat dabei laut eigenen Angaben nichts weniger im Sinn, als die städtische Mobilität zu revolutionieren und mit dem einzigartigen Cargo eBike neue Grenzen in der Citylogistik auszulosten. Dabei sei das Rad durch eine patentierte Kurvenneigetechnologie und Vollfederung nicht nur ideal für die Stadt, sondern auch für ländliche Gebiete. Dank der speziellen Bauweise wird auch mit schweren Lasten die vorteilhafte Agilität von Fahrrädern nicht eingegrenzt.

Marktplatz Innovation: Das GLEAM Cargo E-Bike findet sich auch auf dem Marktplatz Innovation der IÖB-Servicestelle. Der Markplatz ist virtuelles Schaufenster für verwaltungstaugliche Innovationen und Vertriebskanal zu öffentlichen Auftraggebern.

Bereits einige Jahre tüftelten die österreichischen Macher des GLEAM E-Cargobike an ihrem ersten Produkt, bevor es im vergangenen September auf der Eurobike 2019 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt werden konnte. Insgesamt 200 Kilogramm Zuladung kann das dreirädrige E-Lastenrad transportieren, wobei die Ladung auf der 60 x 120 cm großen Ladefläche verstaut wird, die sogar noch individuell vergrößert werden kann.

 

Die Neigetechnik ist dabei so ausgeklügelt, dass man sogar Treppen längs ohne Probleme fahren könnte oder aber eine Steilkurve ohne sich dabei in die Kurve legen zu müssen. In der Praxis soll die Technologie ein Fahren fast wie auf dem normalen Pedelec ermöglichen, so dass die hinten aufgenommene Ladung wortwörtlich kaum ins Gewicht fällt.

Aktion: Gemeinsam gegen Corona

Durch die Coronakrise steigen viele Unternehmen auf Lieferservice um, weshalb auch die Nachfrage nach geeigneten Verkehrsmitteln steigt. Aus diesem Grund hat sich GLEAM entschlossen, Wiener Unternehmen in dieser schwierigen Zeit zu unterstützen. Zwei Lastenfahrräder wurden ein Monat lang für ein bis zwei Wochen kostenlos zur Verfügung gestellt. Über einen Social Media Aufruf wurde auf die Aktion aufmerksam gemacht, wodurch schlussendlich drei Unternehmen für die kostenlose Testperiode auserwählt wurden: das österreichische Restaurant „Nestroy“, der Bauernladen und das Marktcafe „Landkind“ sowie ein Wiener Kurierdienst.

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Die Idee zu GLEAM entstand bereits erstmals 2010 aus den Bedürfnissen eines Wiener Fahrradbotendienstes nach einem idealen Transportfahrzeugs. Einer der Gründer von GLEAM Mario Eibl, ein begeisterter Radfahrer und technischer Experte mit Startup Erfahrung, entwickelte in diversen R&D Projekten, unter anderem dem EMILIA Projekt, mehrere Prototypen, und gewann 2014 den ersten Preis der Urban Innovators Challenge im Rahmen vom Forum Alpbach.

Die Prototypen wurden infolge dessen kräftig weiterentwickelt, die eigens entwickelte Kurvenneigetechnology perfektioniert und weitere Preise wie der „Landing Zone Contest“ (2015), „Revolutionizing transportation systems” vom Kapsch Innovation Camp (2015), der Publikumspreis der E-Mobility-Challenge START-E (2016) gewonnen, sowie GLEAM zum „Logistic Startup of the year 2016“ nominiert.

Auf der Eurobike Messe 2019 in Friedrichshafen wurde das finale Vorserienmodell erfolgreich präsentiert und das GLEAM Cargo eBike zum meist getesteten Rad der Messe gekürt. Der Anstoß zur Serienproduktion, die im Februar 2020  erfolgte.

Hintergrund: Die Güterlogistikkonzepte wurden bei EMILIA gemeinsam mit den optimierten E-Fahrzeugen in einer Demonstrationsphase im Realbetrieb getestet. Ziel war es, aufzuzeigen dass der Einsatz von Elektrofahrzeugen in der urbanen Güterlogistik technisch möglich und wirtschaftlich darstellbar ist. EMILIA geht von der der Problemstellung aus, dass Städte spezielle Anforderungen an Fahrzeugestellen. Allgemeiner Platzmangel und Zufahrtsbeschränkungen erschweren Zulieferungen durch herkömmliche Lkw. Gleichzeitig wächst auf Grund von e-Commerce das Paketvolumen und die Anzahl von Lieferungen direkt an Endkunden. Deshalb werden im Rahmen von EMILIA alternativ angetriebene Transportfahrzeuge für die Last-Mile Distribution entwickelt bzw. technisch optimiert. (E-)Transporträder für Private werden übrigens erstmals über das E-Mobilitätspaket gefördert.