Kategorie Innovation & Technologie - 14. September 2015

Wieso verbrennen, wenn man es filtern kann?

Wenn zum Beispiel nach der Ernte Pflanzenreste oder in der Kantine Speisereste übrig bleiben, kann man aus diesen „Abfallprodukten“ Energie gewinnen. Bei der Vergärung dieser Reste – auch Biomasse genannt – entsteht Biogas. Biogas ist ein Hoffnungsträger, weil es mit der richtigen Technologie das Potenzial hat, bis zu 25 Prozent des Erdgasverbrauchs in Österreich abzudecken.

Der Anteil von Biogas an der Energieversorgung in Österreich ließe sich drastisch erhöhen, wenn es gelingt, Biogas zu reinigen und in das Erdgasnetz einzuspeisen. Wie also kann Biogas so gereinigt und aufbereitet werden, dass es als vollwertiger Ersatz für Erdgas verwendet werden kann?

Und genau das wurde im Rahmen der Programmlinie „Energiesysteme der Zukunft“ in einer Demonstrationsanlage in Bruck an der Leitha erstmals in Österreich in die Praxis umgesetzt. Die Einsatzstoffe der Biogas Bruck/Leitha fallen als Abfälle an und werden durch die Nutzung in der Biogasanlage zu hochwertigen Rohstoffen, aus denen Energie gewonnen wird. 2007 startete das Pilotprojekt „Virtuelles Biogas“. Das Ziel war die Entwicklung einer Alternative zu der heute üblichen Technologie zur Nutzung des Energiegehaltes von Biogas – nämlich der Verbrennung in Gasmotoren, wo nur 35-40 Prozent der zugeführten Energie genutzt werden kann.

Die Biogasanlage in Bruck/Leitha.

Acht Jahre lang wurde die aus Mitteln des Klima- und Energiefonds entwickelte neue Filtertechnologie nun in der Praxis erprobt, mit der das Biogas so aufbereitet wird, dass es als vollwertiger Erdgas-Ersatz als Brennstoff für Haushalte und Industrie sowie als Treibstoff eingesetzt werden kann. Dabei kann die bestehende Erdgas-Infrastruktur wie Pipelines, Gasspeicher und Tankstellen verwendet werden, um das produzierte Gas zu den VerbraucherInnen zu transportieren.

Was 2007 noch virtuell war, ist 2015 eine „reale“ marktreife Technologie geworden, die nunmehr 1.000 Kubikmeter Biogas pro Stunde zu Biomethan aufbereiten und in das Erdgasnetz einspeisen kann. Dieses Verfahren ist nicht nur ökologisch, sondern liefert Wärmeversorgung für Privathaushalte, Treibstoffversorgung für Autos sowie Strom, Wärme und Kälte für die Industrie. Ein Grund zum Feiern. Und genau das taten die Beteiligten am 11. September bei der Eröffnungsfeier der Biomethanaufbereitungsanlage in Bruck an der Leitha.

 

INFObox: In der Programmlinie „Energiesysteme der Zukunft“ des bmvit wurden 2003-2006 Technologien und Konzepte für ein energieeffizientes und flexibles Energiesystem entwickelt, das auf der Nutzung erneuerbarer Energieträger basiert und langfristig in der Lage ist, unseren Energiebedarf zu decken.

Elf Projektpartner analysierten und optimierten im Rahmen des Demonstrationsprojekts, angesiedelt im Energiepark Bruck an der Leitha, die gesamte Wertschöpfungskette von Biogas: von der Rohstoffproduktion über die Produktion und Aufbereitung von Biogas bis hin zur Verwendung als Kraftstoff. Das Projekt wurde von einer internationalen Jury als Leuchtturmprojekt der Innovation mit großer Breitenwirkung ausgewählt.