Kategorie Innovation & Technologie - 9. Juni 2020

Informatikerin Svenja Schröder ist FEMtech-Expertin des Monats

Svenja Schröder ist unsere FEMtech-Expertin des Monats Juni. Die gebürtige Deutsche ist nach über zehn Jahren ausgezeichneter Forschung und Lehre beim Softwarenentwicklungsunternehmen dataformers GmbH im Bereich Requirements Engineering und User Experience tätig. Sie wurde in der deutschen Hansestadt Wesel geboren und studierte angewandte Kommunikations- und Medienwissenschaften – einem interdisziplinären Studiengang zu Informatik, Psychologie und Medienwissenschaften – an der Universität Duisburg-Essen bevor sie über weitere Forschungsaufenthalte für ihre Dissertation an die Universität Wien kam und im Fach Informatik mit Auszeichnung promoviert wurde.

 

Ihre umfangreiche Forschungstätigkeit im Bereich Human Computer Interaction, Mobile User Experience (UX), sowie Data Science mündete bereits prae-doc in einer umfangreichen Lehrtätigkeit als Universitätsassistentin an der Fakultät für Informatik der Uni Wien. So hielt sie gemeinsam mit anderen Lehrenden eine Vorlesung an der Uni Wien mit dem Titel Human-Computer Interaction und Psychologie, betreute zahlreiche Abschlussarbeiten und Software-Praktika und wurde dafür 2016 mit dem UNIVIE Teaching Award für herausragende Lehrleistungen ausgezeichnet.

INFObox: FEMtech ist eine Initiative des Förderprogramms Talente des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie (BMK), welches seit 2005 Auszeichnungen vornimmt, um die Leistungen von Frauen im Forschungs- und Technologiebereich besser sichtbar zu machen.

Trotz dieser akademischen Meriten hat Schröder im vergangenen Jahr den Lehrstuhl gegen einen praxisorientierten Platz in der Privatwirtschaft getauscht. „NutzerInnenzentrierte Arbeit liegt mir einfach am Herzen und begleitet mich seit mehr als 15 Jahren. Meine neue Position in der Anforderungsanalyse und dem UX-Design führen dabei nahtlos fort, was ich in meinen vergangenen Forschungsprojekten bereits erfolgreich umgesetzt habe“, so Schröder über ihre Motivation. „Bereits seit zehn Jahren setze ich mich intensiv mit Human Computer Interaction, User Experience und Usability-Methoden auseinander. Nun bin ich in einem Unternehmen beschäftigt, welches mit SCRUM-Methoden erfolgreich Software-Projekte für ein breites Spektrum an KundInnen umsetzt.“

Technologie mit Mehrwert

Bei der dataformers GmbH trägt sie die Titel Requirements Engineer sowie User-Experience-Expertin und ist dabei für die Erhebung und Modellierung der Anforderungen an die Softwaresysteme sowie deren User Experience verantwortlich. So kümmert sie sich vornehmlich um das Management der Anforderungen, die Erstellung und Spezifikation der User Interfaces, sowie Validierung und Nutzertests der Endprodukte mit den KundInnen. Auch das Durchführen von Workshops sowie beratende Tätigkeiten gehören dort zu ihren Aufgaben.

„Am meisten fasziniert mich die Arbeit mit den Kundinnen und Kunden und die interdisziplinäre Teamarbeit.“ Sie sitze oft stundenlang mit Auftraggebenden zusammen und bespreche deren Wünsche. „Oft bin ich dabei eine Mischung aus Detektivin, Analytikerin, Anwältin und eben Technikerin. Diese ganzen Anforderungen nehme ich dann mit ins Entwicklungs-Team und wir machen uns an die Arbeit.“ Gefragt seien dabei vor allem ein gutes Augenmaß, Verhandlungsgeschick und Fingerspitzengefühl. „Am Ende des Tages möchte ich, dass das bestmögliche Produkt mit dem besten Maß an Wirtschaftlichkeit für unser KlientInnen herauskommt.“ Entwickelt werden von ihr sowohl mobile Apps, Web- bzw. KundInnenportale als auch IoT-Lösungen zur Maschinenanbindung. Die Kundschaft setzt sich aus Leitbetrieben der heimischen Industrie, modernen Dienstleistungsbetrieben bis zu Start-ups zusammen.

Gerade in der aktuellen Krise zeige sich laut Schröder, dass die Digitalisierung eine lohnenswerte und auch sinnvolle Strategie für Unternehmen ist. Nicht nur würden Daten und Prozesse standortunabhängig abrufbar, sondern könnte Digitalisierung auch einen guten Plan B schaffen, falls man krisenbedingt Flexibilität beweisen müsse. Zudem hebt Schröder einen zweiten großen Bereich, der von der Krise profitiert hat, hervor: Das E-Learning. „Plötzlich mussten alle Schulen und Fachhochschulen recht plötzlich zu Fernlehrmethoden greifen – und konnten dies auch! Das hat gezeigt, dass in diese Richtung noch sehr viel Potential besteht. Wir mussten in den letzten Wochen auch feststellen, dass Informatik zwar ermöglicht Menschen virtuell miteinander zu verbinden, wir aber dennoch den realen Kontakt zu Menschen brauchen. Wenn wir abends alleine in unserer Wohnung mit 50 Leuten in einem Onlinemeeting sitzen, hilft uns das zwar eine Weile über fehlende echte Kontakte hinweg, ist aber kein dauerhafter Ersatz.“

Zudem sehe sie aber auch die Ungleichheiten, die sich in einer solchen Situation in den unterschiedlich digitalisierten Sphären der Gesellschaft auftäten. „Von der Digitalisierung können ja nur Menschen profitieren, die einen Computer besitzen, keine Kinder alleine großziehen oder sich mit vielen Nebenjobs durchschlagen müssen. Die Digitalisierung kann bei vielen Fragestellungen helfen, ist allerdings auch kein Allheilmittel. Wenn man die Ungleichheiten in der Gesellschaft angehen möchte, kann Digitalisierung ein Puzzlestück sein – aber eben nur eines von vielen.“

Das FEMtech Interview mit Svenja Schröder finden Sie dieses Mal hier:

» Was steht auf Ihrer Visitenkarte?
techn. Svenja Schröder, M.Sc. B.Sc.
Requirements Engineer by Choice

Was machen Sie als Requirements Engineer genau?
Als Requirements Engineer sorge ich dafür, dass eine Software an die Kund*innenwünsche angepasst entwickelt wird. Dafür erhebe, dokumentiere und verwalte ich alle Anforderungen von Kund*innenseite an ein Softwareprojekt. Beratung gehört ebenfalls dazu. Während des Projektes bin ich dann die Schnittstelle zwischen Kund*in und Entwickler*innen. Oft trägt man ganz schön viel Verantwortung für das Produkt, aber man kann auch sehr kreativ tätig sein, beispielsweise, indem man Bildschirmmasken (UI/UX-Design) erstellt.«

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Wordrap mit Svenja Schröder

  • Womit ich als Kind am Liebsten gespielt habe:
    Drinnen mit Playmobil und Lego, draußen mit anderen Kindern auf dem Spielplatz oder in der Natur.
  • Dieses Studium würde ich jetzt wählen:
    Genau das gleiche: Angewandte Kommunikations- und Medienwissenschaften an der Universität Duisburg-Essen. Die Mischung aus Informatik und Psychologie war für mich genau der richtige Ausgangspunkt für meine Karriere.
  • Mein Vorbild ist:
    Als lebenslange Trekkie war mein großes Vorbild schon immer das Gesellschaftsbild aus Star Trek, beispielsweise The Next Generation oder auch Deep Space Nine. Auch gab es in der Serie immer starke weibliche Charaktere, die dem Geist ihrer (Ausstrahlungs-)Zeit voraus waren. Das hat mich sehr inspiriert Forscherin zu werden. Ich wollte auch unendliche Weiten entdecken!
  • Was ich gerne erfinden würde:
    Eigentlich bin ich rundum zufrieden und mir fehlt nichts. Höchstens Beamen wäre manchmal spitze, gerade in der jetzigen Zeit.
  • Wenn der Frauenanteil in der Technik 50 Prozent beträgt …
    … gäbe es durch die höhere Diversität in den Teams viel mehr spannende Innovationen.
  • Wenn der Frauenanteil in Führungspositionen 50 Prozent beträgt …
    … würden sicherlich im Schnitt nachhaltigere Entscheidungen getroffen werden.
  • Was verbinden Sie mit Innovation:
    Allgemeinwohl, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit.
  • Warum ist Forschungsförderung in Österreich wichtig:
    Um Österreich als Wissenschaftsstandort in Europa weiterhin attraktiv zu gestalten und von Wirtschaftsinteressen unabhängige Forschung zu ermöglichen.
  • Meine Leseempfehlung lautet:
    Science Fiction von meinen Lieblingsautorinnen: Ursula K. LeGuin, Octavia E. Butler, Ann Leckie, Nnedi Okorafor, N.K. Jemisin und Annalee Newitz.
Frauen in Forschung und Technologie: Mit der Initiative FEMtech fördert das Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) Frauen in Forschung und Technologie. Das BMK unterstützt Frauen im Bereich Forschung und Entwicklung mit dem Ziel, Chancengleichheit in der industriellen und außeruniversitären Forschung zu schaffen.