Kategorie Innovation & Technologie - 14. August 2020

IÖB-Challenge: Ist Active Noise Cancelling im ASFINAG Streckennetz möglich?

Verantwortungsvoller Lärmschutz ist auch bei der ASFINAG ein wichtiges Thema und soll nun auf noch mehr Resonanz stoßen. Bereits jetzt liegt Österreich im europäischen Vergleich sowohl bei den Schutzmaßnahmen als auch bei den Grenzwerten (60 Dezibel bei Tag, 50 Dezibel bei Nacht) im Spitzenfeld. Bisherige Maßnahmen bestanden aus aktivem Lärmschutz durch Wände, Dämme oder Wälle sowie passivem Lärmschutz durch entsprechende Türen und Fenster von Anrainern. Alle Lärmschutzwände der ASFINAG hintereinandergestellt ergäben eine Länge von etwa 1.400 Kilometern, was circa der Fahrstrecke von Wien nach Marseille entspräche.

© ASFINAG

Die bisherigen Maßnahmen sollen in Zukunft nicht nur fortgeführt, sondern vielmehr verstärkt werden. Die rechtlichen Rahmen dafür liefert das Bundesministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK), auf deren Basis die ASFINAG durch ihre Maßnahmen zufriedenstellende Lösungen für Betroffene anstrebt.

Mit einer neuen IÖB-Challenge versucht die ASFINAG herauszufinden, wie Akustik-, Schwingungs- oder andere Technologie für Lärmschutzmaßnahmen an Autobahnen genutzt werden und gegen den Lärm von vorbeifahrenden Fahrzeugen oder von Baustellen wirken kann. Aktive Geräuschunterdrückung (Active Noise Cancelling) hat sich bei Kopfhörern zum gehobenen Standard entwickelt. Solche Wirkungsgrade im Freifeld zu erreichen bleibt vielleicht eine wissenschaftlich-technische Utopie. Ähnliche Verfahren könnten in Zukunft aber dabei helfen, die Ausbreitung des von Autobahnen und Schnellstraßen ausgehenden Schalls (in Hinblick auf das Frequenzspektrum des Straßenverkehrs- oder Baustellenlärms) zu beeinflussen. Auch eine Maskierung der unangenehmen Frequenzbereiche wäre eine Lösungsmöglichkeit.

Die ASFINAG betreibt einen Lärmkataster, welcher Auskunft über Laustärken einzelner Autobahn- oder Schnellstraßen-Abschnitten liefert. Darin finden sich sehr detailliert und vor allem aufgrund von österreichweit gleichlautenden Berechnungen, die Schallbelastungen entlang aller Autobahnen und Schnellstraßen in Österreich. Dargestellt wird dort aber nur präzise jene Schallbelastung, die vom ASFINAG Streckennetz ausgeht. Bahnstrecken oder Landesstraßen werden darin nicht abgebildet. Die Lärmkarten stellen die Lärmbelastung in 1,5 Meter Höhe über Grund dar und geben somit die Lärmbelastung realitätsnah wieder.

Aktive Akustik- und Schwingungstechnologie könnte in Zukunft an neuralgischen Stellen ergänzend zu bestehenden baulichen Lärmschutzeinrichtungen eingesetzt werden, um die Lärmbelastung für Mensch und Tier noch weiter zu reduzieren. Das an diese Marktsondierung angeschlossene Ziel ist, bei ausreichender Erfolgsaussicht eine Teststellung an einer passenden Stelle des über 2.000 Kilometer langen Streckennetzes der ASFINAG durchzuführen.

Aufgrund bisheriger Erfahrungen und parallel laufender Projekte, sind für diese Challenge folgende Lösungswege jedoch nicht von Interesse: Bepflanzungen oder Verbesserungen von Lärmschutzwänden hinsichtlich ihrer Bauweise, Material, etc.

So erfolgt die Einreichung

Die Challenge richtet sich explizit an Unternehmen mit konkretem Angebot oder Kompetenzen für die Entwicklung der skizzierten Systeme. Auch Unternehmen mit möglichen Teilbeiträgen zu einem funktionierenden Gesamtsystem sollen hier einreichen und dadurch zueinander finden können.

Beschreibung:

  • Skizzieren Sie Ihr Produkt, Ihr Know-how/ Ihre Fertigkeiten und Ihre Einschätzung (zur Umsetzung, Aufwand und Umfang) des möglichen Projekts.
  • Stellen Sie relevante Referenzprojekte dar.
  • Welche weiteren Komponenten und Kompetenzen braucht es neben den Ihren?
  • Auf welche Stolpersteine/Risiken möchten Sie die ASFINAG hinweisen (technisch und hinsichtlich des Projekts)?

Die ASFINAG erhält durch die Einreichungen zu dieser Marktsondierung einen Überblick über Lösungszugänge und potentielle Gesprächs- bzw. Umsetzungspartner und -partnerinnen. Die Jury aus internen Experten lädt danach jene Einreicherinnen und Einreicher zu einem Innovationsdialog ein, deren Beiträge bei den Bewertungskriterien besonders positiv hervorstechen und Aufschluss für die Projektgestaltung bringen.

Alle weiteren Infos zur Challenge und zum Einreichprozess finden Sie hier.

Warum IÖB-Challenges?

Die öffentliche Verwaltung in Österreich punktet durch eine hohe Qualität und Verlässlichkeit. Und dennoch steht der öffentliche Sektor vor einigen Herausforderungen, wie etwa Effizienzsteigerung, Bewältigung des Generationswechsels oder die Nutzung neuer Technologien, wie Künstliche Intelligenz.

Vor diesem Hintergrund unterstützt die IÖB-Initiative von BMK und BMDW öffentliche Beschaffer mit einem breiten Serviceangebot und einer europaweit einzigartigen Open-Innovation-Plattform.

Um die öffentliche Verwaltung zukünftig noch effizienter, bürgernäher und innovativer zu gestalten, unterstützt die 2013 ins Leben gerufene IÖB-Servicestelle (IÖB: Innovationsfördernde Öffentliche Beschaffung) mit kostenlosen Services und einem breiten Schulungs- und Beratungsangebot.

Herzstück der Initiative ist die IÖB-Innovationsplattform. Auf dieser Plattform ruft die IÖB-Servicestelle regelmäßig zu IÖB-Challenges auf, um öffentlichen Auftraggebern in Österreich die Suche nach innovativen Lösungen zu erleichtern. Die Challenges folgen dem Open Innovation Ansatz und geben Unternehmen die Chance, vielseitige und neue Lösungsansätze aufzuzeigen.

Wie funktionieren die Challenges?

Öffentliche Auftraggeber können eine Herausforderung veröffentlichen – Unternehmen werden dann aufgefordert, ihre Ideen und Lösungsvorschläge online einzureichen. Eine Jury bewertet diese und lädt die spannendsten Unternehmen zu einem Innovationsdialog ein. Die IÖB-Servicestelle begleitet und moderiert durch den gesamten Prozess und akquiriert Unternehmen für eine Teilnahme.

Service: Die neue aws IÖB-Toolbox – der Hebel für Innovation. Eine neue Förderung der aws in Kooperation mit der IÖB-Servicestelle stellt einen neuen finanziellen Hebel für die Umsetzung innovativer Beschaffungsprojekte zur Verfügung. Mit bis zu 50 Prozent bzw. max. 100.000 EUR können sich öffentliche Stellen innovative Beschaffungsprojekte fördern lassen. Diese Förderung löst den IÖB-Projektwettbewerb ab, der bis einschließlich 2018 innovative Beschaffungsprojekte prämierte. Ausgezeichnete Projekte der letzten Jahre umfassen beispielsweise den Einsatz von künstlicher Intelligenz im Prozess der Kostenrückerstattung der Sozialversicherungen (IT-SV).

INFObox: Die IÖB-Servicestelle ist eine Initiative des Bundesministeriums für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort (BMDW) zusammen mit dem Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) in Kooperation mit der Bundesbeschaffung GmbH und gleichzeitig der One-Stop-Shop zum Thema innovationsfördernde öffentliche Beschaffung. Als Netzwerk- und Unterstützungsstelle für alle Innovatoren in der öffentlichen Verwaltung baut die IÖB-Servicestelle Brücken zwischen innovativen KMUs bzw. Startups und öffentlichen Institutionen. Das Serviceangebot richtet sich an alle öffentlichen Institutionen der Republik sowie öffentliche Unternehmen. Gemeinsames Ziel ist es über die Beschaffung innovativer Lösungen Effizienz- und Modernisierungsimpulse im öffentlichen Sektor zu setzen und gleichzeitig die Wertschöpfung am Standort Österreich zu stärken.