Kategorie Klima- & Umweltschutz - 7. September 2021

Kosten der Klimakrise deutlich höher als bisher angenommen

Eine neue Studie zeigt, dass die wirtschaftlichen Kosten der Klimakrise wohl deutlich höher sind, als bisher angenommen. Klimawandelbedingt könnte das weltweite Bruttoinlandsprodukt (BIP), also der Gesamtwert aller Waren, Güter und Dienstleistungen, in diesem Jahrhundert um etwa 37 Prozent sinken.

Dies wäre rund sechsmal so viel wie bisher angenommen. Frühere Studien gingen von BIP-Einbußen von etwa sechs Prozent bis zum Jahr 2100 aus. Dabei war noch angenommen worden, dass Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels wie Brände, Hochwasser und Dürren das Wirtschaftswachstum nicht dauerhaft beeinträchtigen. Inzwischen halten es jedoch viele Ökonom:innen für unwahrscheinlich, dass sich die Volkswirtschaften von extremen Unwetterereignissen und damit verbundenen Schäden an der Infrastruktur rasch erholen können.

Das Wirtschaftswachstum könne zudem durch Verluste bei der Arbeitsproduktivität aufgrund höherer Temperaturen beeinträchtigt werden, hieß es in der neuen, in der Zeitschrift „Environmental Research Letters“ von Forschenden europäischer und US-Universitäten veröffentlichten Studie. Unter Berücksichtigung auch dieses Effekts wird in dem Papier der Schaden, der pro in die Atmosphäre ausgestoßene Tonne Kohlendioxid verursacht wird, mit mehr als 3.000 Dollar beziffert. Dies wäre ein Vielfaches des Preises pro Tonne im EU-Emissionshandel von derzeit rund 60 Euro.

Treibhausgasausstoß verringern ist billiger

An der Studie beteiligt sind Forschende des Londoner Imperial College, der London School of Economics (LSE), der Universität Cambridge und der ETH Zürich. „Die Ergebnisse zeigen, dass es billiger ist, den Treibhausgasausstoß zu verringern, als mit den Folgen des Klimawandels zurechtzukommen“, betonte der ETH-Forscher Paul Waidelich.

 

Jarmo Kikstra vom Imperial College räumte ein, dass es schwierig sei, die Kosten des Klimawandels zu beziffern. Je genauer man hinschaue, desto mehr deute jedoch darauf hin, dass die Kosten massiv ansteigen könnten. Der Prognose-Wert von 37 Prozent ist der Studie zufolge ein Mittelwert unterschiedlicher Szenarien, die von BIP-Einbußen zwischen minus sechs und minus 51 Prozent ausgehen.

Zu dringendem Handeln mahnte auch James Rising von der LSE. Er wies darauf hin, dass jedes Jahr mehr Naturkatastrophen zu beobachten seien, die auf die Erderhitzung zurückgeführt werden können. Es sei zu erwarten, dass sich die Lage in den kommenden Jahren und Jahrzehnten weiter zuspitzen werde.

Bereits im vergangenen Jahr hat eine Studie valide Daten zu den durch die Klimakrise verursachten Kosten in Österreich geliefert. Die Studie berechnete zudem, wieviel das Land durch ein Nicht-Handeln beim Klimaschutz und eine fortdauernde Bindung an fossile Energieträger jährlich bezahlen muss. Allein im Jahr 2020 beliefen sich diese Kosten auf 15 Milliarden Euro, die durch fossiles Wirtschaften und die Auswirkungen des Klimawandels sowohl die heimische Wirtschaft als auch die Gesundheit der Menschen und in wesentlichen Teilen auch direkt das öffentliche Budget immens belasten. (Eine Aufgliederung der Kosten gibt es weiter unten)

Enorme Kosten für die Gesellschaft

In wenigen Jahren könnte diese Summe sogar auf jährlich 20 Milliarden Euro steigen, zeigte die Analyse der Universität Graz und der Medizinischen Universität Wien, die im Auftrag des Klima- und Energiefonds und durch die Finanizierung des Klimaschutzministeriums (BMK) zustande gekommen ist. Verursacht werden diese Kosten demnach durch Wertschöpfungsverluste für fossile Importe und umweltschädliche Förderungen.

Aber auch wetter- und klimabedingte Schäden sowie Kosten für die Anpassung an den Klimawandel belasten das öffentliche Budget. Schadens- und Anpassungskosten, so die Autorinnen und Autoren, werden in den nächsten Jahren deutlich ansteigen. Sie fordern daher rasches Handeln und sehen auch in der Coronakrise eine Chance – nämlich für klimagerechte Innovationen.

„Die Wissenschaft macht einmal mehr deutlich: Schon jetzt verursachen das Festhalten an fossilen Systemen und die Klimakrise enorme Kosten für die Gesellschaft. Wir setzten daher unsere Klima- und Energieziele konsequent um und lenken Konjunkturmaßnahmen in nachhaltige Investitionen für den Standort Österreich“, so Klimaschutzministerin Leonore Gewessler.

 

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