Kategorie Innovation & Technologie - 8. September 2015

Selbstfahrende Autos: Karten, IT-Sicherheit und Haftungsfragen offen


APA/APA (epa/Google)

Selbstfahrende Autos gelten als große Zukunftshoffnung der Industrie, erste Tests laufen in vielen Ländern. Vor einer flächendeckenden Einführung braucht man aber noch präzise Straßenkarten, eine bessere Abwehr von Hackern und eine Klärung der Haftungsfragen, erläutert eine gemeinsam mit dem World Economic Forum erstellte Studie von Boston Consulting Group (BCG).

Digitale Straßenkarten haben heutzutage eine Genauigkeit von zehn Metern, was für Anleitungen an Menschen reicht. Aber autonome Autos brauchen Karten, die auf zehn Zentimeter genau sind – und in denen die Lage jeder Ampel vermerkt ist. In Deutschland, Japan, Südkorea und den USA gibt es 8,5 Mio. Kilometer Straße und Ende 2014 waren erst einige tausend km mit so genauen Karten erfasst.

Laufende Aktualisierung erforderlich

BCG sieht die Kosten der Datenerfassung dabei nicht als den großen Engpass, in den USA wären sie bei 4,3 Mio. km „klein im Verhältnis zu den gesamten Forschungs- und Entwicklungskosten“. Aber die Karten müssten außerdem laufend aktualisiert werden. Wenn eine neue Baustelle nicht erfasst oder die Routenführung geändert wurde, könnten sonst selbstfahrende Fahrzeuge nicht mehr weiterfahren.

Kopfzerbrechen bereitet die IT-Sicherheit. Zahlreiche Versuche haben gezeigt, dass derzeit produzierte Fahrzeuge relativ leicht von Hackern geknackt werden können. Das liegt unter anderem daran, dass die gesamte Fahrzeugelektronik in einer zentralen Steuerung (CAN) zusammengefasst ist. Welches System des Autos man auch knackt, von dort führt der Weg dann direkt zur gesamten Elektronik.

Da es unmöglich sei, die Gefährdung ganz auszuschalten, sollte man sich darauf konzentrieren, die Risiken zu managen, empfiehlt die BCG-Studie. Man könnte etwa eine Clearing-Stelle einrichten, bei der die Autofirmen „Informanten“ bezahlen, die auf Schwachstellen hinweisen. Ähnlich operierten derzeit IT-Firmen wie Facebook.

Regionale Unterschiede bei Rechtsfragen

Regional unterschiedlich sind Rechtsfragen und Haftungsprobleme. In Europa und teilen Südamerikas, Asiens und Afrikas gilt die Wiener Straßenverkehrskonvention von 1968, die vorschreibt, dass jederzeit ein Mensch die Kontrolle über das Fahrzeug haben muss. Allerdings ist eine Überarbeitung initiiert, wonach es künftig reicht, wenn Menschen automatische Systeme ausschalten und die Kontrolle übernehmen können. In den USA gelten keine solchen Regeln, hier sind selbstfahrende Fahrzeuge grundsätzlich zulässig.

Dafür haben die USA noch viel größere Haftungsfragen offen. Während in Europa bereits jetzt alle Fahrer haftpflichtversichert sind und damit ihr Risiko abgedeckt haben, sind in den USA im Ernstfall riesige Beträge fällig. Die Überlegungen gehen dahin, die Hersteller haftbar zu machen. Dann müsste ein Risikoprofil wie bei einem „vernünftigen Autofahrer“ als Maßstab dienen, um Zahlungen auszulösen. Hier sind aber noch viele Fragen offen.

BCG lässt in der Studie keine Zweifel daran aufkommen, dass aus ihrer Sicht die Vorteile die Nachteile von selbstfahrenden Fahrzeugen übertreffen. Bereits eine Studie vom Jahresanfang hatte ergeben, dass alleine in den USA 30.000 Todesfälle bei Straßenunfällen vermieden werden könnten. Die Reisezeit würde sich um 40 Prozent verkürzen, vor allem, weil es weniger Stau gäbe, das wären 80 Mio. Stunden Zeitersparnis. Die gesellschaftlichen Vorteile könnten sich auf 1,3 Billionen Dollar (1,17 Billionen Euro) addieren.