10. November 2020

Staatspreis Patent für beste Erfindungen und kreativste Marke Österreichs

Klimaschutzministerin Gewessler und Patentamtspräsidentin Karepova zeichneten ErfinderInnen und Kreative aus

Eine Gala wurde es coronabedingt nicht, Goldregen fiel am Ende aber trotzdem: In einer Online-Zeremonie wurde am gestrigen Abend, just zum Tag der ErfinderInnen, der Staatspreis Patent vergeben. Der Run auf den Preis war so groß, wie nie: Zur dritten Ausgabe des Staatspreises warfen sich 283 Erfinderinnen und Erfinder sowie Kreative ins Rennen um die beste Marke und das beste Patent. Gemeinsam mit der UNICEF wurden zusätzlich und erstmalig der Preis auch in der Kategorie Humanity verliehen, für das menschlichste Patent, Erfindungen mit besonderer humanitärer Bedeutung, die helfen das Leben der Menschen zu verbessern.

„Immer mehr Erfindungen haben eine saubere Umwelt und die Gesundheit der Menschen im Blick, so auch die Gewinnerinnen und Gewinner des Staatspreises Patent. Ich gratuliere allen Preisträger*innen herzlich und bedanke mich für ihr Engagement, ihren Erfindergeist und die innovativen Lösungen“, sagte Klimaschutzministerin Gewessler.

Patentamtspräsidentin Mariana Karepova: „Außergewöhnlich gute Erfindungen prüfen wir im Österreichischen Patentamt immer zweimal: Einmal, um zu sagen, ob sie weltweit neu sind. Und ein zweites Mal, ob sie so gut sind, dass sie für den Staatspreis nominiert werden können.  Kunststoff mit Wasser zu erzeugen, Parkinson-Patienten mit einem kleinen Stift zur Tremor-Messung auszustatten oder selbstüberwachenden Rucksäcken einen klingenden Namen zu geben – das waren die Spitzenleistungen 2020.“

Heißes Wasser statt Gift

Kunststoffe sollen künftig mit heißem Wasser anstatt mit umweltschädlichen Lösungsmitteln produziert werden. Mit diesem höchst innovativen Verfahren hat das 15-köpfige TU-Team um Miriam Unterlass den Staatspreis in der Kategorie Bestes Patent gewonnen: Die Herstellung von kristallinen Polyimiden kann nun auf oft unfassbar giftige Stoffe verzichten.

 

„Fiebermesser“ für Parkinson

Der Preis in der Kategorie Humanity geht an Tibor Zajki-Zechmeister für seinen Tremipen, der das Zittern in den Händen misst und in wenigen Sekunden eine Auswertung liefert. Der Tremipen, der wie ein Kugelschreiber aussieht, zeigt Menschen, die an dieser weltweit häufigsten Bewegungsstörung leiden, in Sekundenschnelle, wie es ihnen geht – sie müssen ihn nur bei sich tragen.

 

Skarabeos ohne Chance für Langfinger

Langfingern macht es Wolfgang Langeder mit Skarabeos nicht leicht.  Seine Rucksäcke und Taschen mit Alarmsicherung tragen den Namen des altägyptischen Schutzsymbols und alarmieren via App am Smartphone, wenn ein Taschendieb sein Glück versucht – dafür gab es den Preis in der Kategorie Beste Marke.

 

So viele Einreichungen, wie noch nie

Der Staatspreis Patent wurde heuer zum dritten Mal vergeben. Der Run auf den Preis war so groß, wie nie: 283 Erfinder*innen und Kreative warfen sich ins Rennen um die beste Marke und das beste Patent. Gemeinsam mit der UNICEF wurden zusätzlich und erstmalig der Preis auch in der Kategorie Humanity verliehen, für Erfindungen mit besonderer humanitärer Bedeutung, die helfen das Leben der Menschen zu verbessern. Die Preisverleihung gibt es hier für Sie zum Nachsehen:

Staatspreis Patent 2020 – Die Preisverleihung

🌿 And the winner is….Wer das Rennen um das beste, das menschlichste Patent sowie die kreativste Marke Österreichs macht, verraten Euch Klimaschutzministerin Leonore Gewessler & Patentamtspräsidentin Mariana Karepova jetzt live im Stream… ⬇️

Posted by BMK Infothek on Monday, November 9, 2020

 

Die Jury

In der Staatspreis-Jury waren Menschen, die sich unternehmerisch, wissenschaftlich und philosophisch mit Innovation und Kunst befassen: Claus J. Raidl, Vorsitzender des Kuratoriums des Institute for Science and Technology Austria, Unicef-Innovationsexperte Johannes Wedenig, Unternehmerin Ulrike Rabmer-Koller, Chef der Forschungsförderungs-Gesellschaft Klaus Pseiner, Petra Stolba, Geschäftsführerin der Österreich Werbung, Ö1-Journalistin Beate Tomassovits-Weis, Harald Kubiena, Chirurg und Österreicher des Jahres, Marktforschungsunternehmerin Roswitha Hasslinger, Gerfried Stocker, Geschäftsführer Ars Electronica und IP-Profi Guido Kucsko.

Alle Nominierten Kategorie Patent

 

FLASHPHOS1- Phosphor “recycled von Alfred Edlinger

FlashPhos1 ist ein kostengünstiges und einfaches Verfahren, dass zur Rückgewinnung von Phosphor aus Industrieabfällen entwickelt wurde. Der immer knapper werdende, lebenswichtige Rohstoff ist unter anderem als Düngermittel unerlässlich. Darüber hinaus hat das FlashPhos1-Verfahren einen positiven Effekt auf die CO2-Einsparung und arbeitet praktisch rückstandsfrei.

TIPY KEYBOARD – mit einer Hand alles im Griff von Matthaeus Drory

Mit der intelligenten Einhand-Tastatur, dem Tipy Keyboard von Matthaeus Drory, hat man mit einer Hand alles im Griff. Durch die eingebaute Sensorik kann am Computer, je nach Bedarf, links oder rechts getippt werden. Tipy ist die Zukunft der Tastatur – sie macht die Arbeit, das Leben und die Kommunikation am Computer schneller und effizienter, sowie barrierefrei.

VERFAHREN ZUR HERSTELLUNG VON KRISTALLINEN POLYIMIDEN – mit heißem Wasser, statt giftigen Stoffen, eingereicht von der TU Wien

Organische Kunststoffe sind selbst zwar nicht umweltschädlich, doch bei der Herstellung werden oft giftige Stoffe eingesetzt. Mit dem patentierten Verfahren der TU Wien wird klar: Es geht auch anders! Dadurch können kristalline Polyimide statt mit giftigen Lösungsmitteln nur mehr mit heißem Wasser hergestellt werden. Methoden, mit denen man nicht nur Endprodukte, sondern auch Syntheseverfahren in der chemischen Industrie umweltschonender gestalten kann, werden auch als „Grüne Chemie“ bezeichnet.

Kategorie Marke

 

MISTSTÜCK – vom Müll zum Design-Unikat von Christina Skrabal und Christian Gerhart

Unter der Marke „Miststück“ werden aus alten Möbeln und weggeworfenen Materialien wieder neue und brauchbare Einrichtungs- und Dekorationsgegenstände hergestellt. Ein Upcycling-Konzept, das aus Dingen, die sonst im Müll landen würden, neue Einzel- und Lieblingsstücke werden lässt. Ganz nach dem Motto: „Aus Alt mach Neu!“

BRAUTON – Bier mit Musikgeschmack von Leo-Constantin Scheichenost

Bierbrauen mal anders! Nachdem ein japanischer Forscher herausgefunden hat, dass Wasser auf Musik reagiert und seine Struktur verändert, wird mit der Wortmarke „Brauton“ nun Bier vermarktet, dass beim Entstehungsprozess mit lauter Musik beschallt wird. Und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Weil‘s besser schmeckt!

SKARABEOS – Fladern war gestern von Wolfgang Langeder

Unter dem Label „Skarabeos“ werden nachhaltige Taschen mit intelligentem Diebstahlschutz designt. So kann man z.B. den Rucksack von Skarabeos via App mit dem Smartphone verbinden und wird sofort alarmiert, wenn ein Taschendieb versucht, daraus etwas zu stehlen. Das zeitgemäße Design mit der Anti-Diebstahl-Technologie fügt sich perfekt in den Alltag ein. Für die Marke stand das altägyptische Schutzsymbol, der Skarabäus-Käfer, Pate.

Sonderkategorie Humanity

 

INNOMAKE – intelligenter Schuh warnt vor Hindernissen, eingereicht von der Tec-Innovation GmbH

Das junge Technologieunternehmen Tec-Innovation hat die leicht zu montierende Aufsteck-Vorrichtung mit intelligenter Hinderniserkennung entwickelt, wodurch jeder Schuh sofort vor Hindernissen warnen kann. Diese Erfindung soll nicht nur den Alltag von sehbeeinträchtigten und blinden Menschen sicherer gestalten, sondern kann auch Rettungsorganisationen, wie der Feuerwehr, den Job erleichtern.

TREMIPEN – ein „Kugelschreiber“, der den Tremor misst von Tremitas GmbH

Der Tremipen ist ein mobiles Messgerät, das das Zittern in den Händen (den Tremor) von Patient*innen misst und in wenigen Sekunden eine schnelle Auswertung und eine sofortige Ergebnisausgabe via Bluetooth liefert. Die Erfindung macht es möglich, Messungen auch außerhalb von Kliniken und Arztpraxen durchzuführen und kann in drei ganz einfachen Schritten umgesetzt werden.

VORRICHTUNG UND VERFAHREN ZUR HERSTELLUNG VON NANOZELLULOSE – Nanofasern einfach gemacht, eingereicht von Michael Jarolim

Das Start-up Jarolim Fasertechnik hat ein Verfahren zur Massenherstellung von besonders feiner Nanozellulose entwickelt, das im Vergleich zu bestehenden Verfahren besonders einfach, günstig und energiesparend ist. Der Vorteil von Nanofasern liegt in der enorm spezifischen Oberfläche, die das Material zu einem sehr guten Reaktionspartner macht. Sie können z.B. in der Kosmetik und der Medizin Kunststoffe ersetzen.

INFObox: Das Österreichische Patentamt ist als nachgeordnete Dienststelle des Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) die Zentralbehörde für den gewerblichen Rechtsschutz in Österreich mit Sitz in Wien. Im Patentamt kümmern sich über 200 Expertinnen und Experten um die Absicherung von Erfindungen, Mustern (Designs) und Marken.