Kategorie Innovation & Technologie - 16. November 2016

Forschen in der Pilotfabrik

Um den Umstieg der heimischen Wirtschaft auf die digitalisierte und automatisierte Produktion zu unterstützen, hat das Infrastrukturministerium (bmvit) ein Maßnahmenpaket für Industrie 4.0 geschnürt: jährliche Forschungsförderungen in der Höhe von 185 Millionen Euro, Pilotfabriken, Stiftungsprofessuren, den Verein „Plattform Industrie 4.0“ und begleitende Studien.

185 Millionen Euro für Industrie 4.0

In der Seestadt Aspern läuft seit August 2015 Österreichs erste Pilotfabrik im Technologiezentrum aspern IQ. Eine Pilotfabrik ist ein Modell einer echten Fabrik, in der Ideen und Prototypen außerhalb des Normalbetriebs getestet werden können.

Rundgang in der Pilotfabrik Aspern. Foto (v.l.n.r): Präsident der Bundesarbeiterkammer Rudi Kaske, Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie Jörg Leichtfried, Präsident der Industriellenvereinigung Georg Kapsch, Rektorin der Technischen Universität Wien Sabine Seidler. © bmvit/Johannes Zinner

Ausschreibungsstart für zwei neue Pilotfabriken

In zwei weitere Pilotfabriken sollen neue Ansätze zu Verfahrenstechnik und Fließbandproduktion („Diskrete Produktion“) erforscht werden. „Mit den Pilotfabriken haben auch Klein- und Mittelbetriebe die Chance, neue Technologien und Produktionsverfahren zu testen, ohne die Produktion im eigenen Betrieb dabei zu beeinträchtigen“, erklärt Infrastrukturminister Leichtfried die Vorteile. Das Infrastrukturministerium übernimmt dabei die Hälfte der Kosten – bis zu zwei Millionen Euro für drei Jahre.

Weitere Informationen zu den heute startenden Ausschreibungen zu den bmvit-Pilotfabriken finden Sie auf der Website der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG unter: https://www.ffg.at/21-ausschreibung-produktion-der-zukunft

INFObox:

Was ist „Industrie 4.0“? Unter dem Schlagwort „Industrie 4.0“ werden verschiedene Veränderungen in der Produktion zusammengefasst: Die Digitalisierung und Vernetzung unseres Lebens, die wir mit Smartphone, Internetfernsehen und Navigationsgerät im Auto täglich erleben, macht auch vor den Fabriken nicht halt. Klassische Produktion verschmilzt mit digitalen Technologien. Menschen, Werkstoffe, Produkte und Maschinen kommunizieren in komplexen Systemen miteinander: Eine holzverarbeitende Maschine bestellt Holz, ohne dass der Mensch eingreifen muss; Ein Auto weiß, mit welchen Extras es bestellt wurde, und baut sich so zu einem gewissen Grad selbst zusammen; Eine Maschine bestellt aus eigenem Antrieb den entsprechenden Reparaturservice, sobald sie einen Defekt entdeckt. Die Veränderungen sind so gravierend, dass manche von der „vierten industriellen Revolution“ nach Mechanisierung, Elektrifizierung und Automatisierung sprechen.


Werden in der Fabrik der Zukunft überhaupt noch Menschen arbeiten? Ja. Bei monotonen oder körperlich anstrengenden Arbeiten werden wir noch stärker von den Maschinen unterstützt werden. Die Rolle des Menschen wird sich in den Fabriken der Zukunft auf die Bereiche Kontrolle, Planung, Instandhaltung und Prozesssteuerung verlagern. Dadurch entstehen auch neue Berufsbilder und Chancen für kreative Unternehmen.


Was habe ich als Kundin oder Kunde von der vierten industriellen Revolution? Die neuen Technologien erlauben es vor allem, rasch und günstig spezifische Ansprüche zu erfüllen. Massenproduktion und individuelle Einzelanfertigung sind damit kein Widerspruch mehr.