Kategorie Innovation & Technologie - 24. Juni 2020

Wie kann die Zertifizierung von Saatgut am Acker einfach digitalisiert werden?

Die AGES (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH) ist in den vergangenen Monaten vor allem durch ihre bemerkenswerte Aufklärungsarbeit in der Coronakrise hervorgetreten. Ihr zentrales Aufgabengebiet umfasst aber neben dem Schutz unserer Gesundheit, auch jenen der Gesundheit von Tieren und Pflanzen sowie der Ernährungssicherheit. Darunter fällt auch die Untersuchung, Begutachtung und Zertifizierung von Saatgut durch das AGES Instituts für Saat- und Pflanzgut, Pflanzenschutzdienst und Bienen.

© AGES

Saatgut, welches in Verkehr gebracht wird, muss hohe Qualitätsstandards erfüllen. Durch die sogenannte Feldanerkennung werden Äcker mit Saatgutvermehrungsbeständen nach genau definierten Vorgaben auf ihre Qualität geprüft. Der aktuelle Feldanerkennungsprozess erfolgt derzeit mit Papier und Stift direkt am Acker. Das ist zwar recht einfach in der Anwendung und allwettertauglich in der Erhebung, jedoch sehr papierlastig, zeitaufwändig und arbeitsintensiv in der Nachbereitung. Die ausgefüllten Formulare werden gescannt, an die AGES übermittelt und mit Optical Character Recognition Software analysiert. Mit einer IÖB-Challenge suchen die Projektverantwortlichen nun Lösungsansätze, um dieser Papierschlacht ein Ende zu setzen und die Effizienz der Arbeitsschritte zu erhöhen.

Wie kann der Saatgutzertifizierungsprozess am Acker digitalisiert und zugleich das einfache Handling des Verfahrens vor Ort unter Einsatz möglichst weniger Hilfsmittel beibehalten werden?

© AGES

Angestrebt wird eine Lösung, die eine einfache Handhabung der Feldanerkennung, vor allem für die Prüfenden vor Ort, garantiert. Es bräuchte ein stabiles System, das zu Spitzenzeiten mit hohen Userzahlen reibungslos funktioniert und Datensicherheit garantiert.

Gewünscht sind unter anderem auch Features wie:

  • Schnittstelle zum bestehenden Zertifizierungssystem ELVIS – Ernährungssicherungs- und landwirtschaftliches Verfahrensinformationssystem (für zB Stammdaten, Beauftragung, Ergebnisse)
  • Nutzung von vorhandenen GPS Daten zum Auffinden der Ackerschläge durch eine Kopplung mit beispielsweise GoogleMaps oder ähnlichen Anbietern (aktuell als QR Code am Formular)
  • Sowohl Karten- als auch Listenansicht der zugewiesenen Ackerschläge
  • Intelligente Einteilung der Reihenfolge der Besichtigungen nach definierbaren Gesichtspunkten (zB Anfahrtsweg, Wetterlage, Feldgröße, Sorte etc…)
  • Die Option zugewiesene Feldflächen abzuweisen bzw. an KollegInnen weiterzugeben
  • Automatisierte Information an relevanten Personenkreis sobald ein Acker geprüft wurde
  • Möglichkeit für FeldbesichtigerInnen Freihand-Skizzen, Fotoaufnahmen oder Notizen hinzuzufügen
  • Flexible Nutzungsmöglichkeit auf unterschiedlichsten Endgeräten (wie Laptops, Tablets und Handys) der FeldbesichtigerInnen bzw. Organisationen (keine AGES Geräte)
  • Flexible Adaptierbarkeit und Konfigurationsmöglichkeit des Systems (inhaltliche Vorgaben werden generisch vom Zertifizierungssystem übernommen)

Dabei muss auch die Rollenverteilung zwischen den Involvierten – AGES, Landwirtschaftskammern, Saatgutfirmen und Feldbesichtigenden – klar definiert und mit entsprechenden Rechten und Befugnissen ausgestattet sein.

Es wird von der AGES eine elektronische Lösung ohne Medienbruch angestrebt. Ganz nach dem Motto – All in One. Innovative Lösungsansätze sind gefragt, die Funktionalität und Praktikabilität maximal in Einklang bringen.

Durch die Beteiligung an der Challenge gelangen potentielle Partner auf das Radar des öffentlichen Auftraggebers. Die AGES erhält so früh einen Überblick über verschiedene Lösungsansätze und ein Verständnis für passende Innovationen. Einreichungen sind bis inklusive 9. August möglich. Die Marktgespräche im Rahmen eines Innovationsdialogs sind für den 21. September geplant.

Alle Details zur Challenge sind hier zu finden.

Warum IÖB-Challenges?

Die öffentliche Verwaltung in Österreich punktet durch eine hohe Qualität und Verlässlichkeit. Und dennoch steht der öffentliche Sektor vor einigen Herausforderungen, wie etwa Effizienzsteigerung, Bewältigung des Generationswechsels oder die Nutzung neuer Technologien, wie Künstliche Intelligenz.

Vor diesem Hintergrund unterstützt die IÖB-Initiative von BMK und BMDW öffentliche Beschaffer mit einem breiten Serviceangebot und einer europaweit einzigartigen Open-Innovation-Plattform.

Um die öffentliche Verwaltung zukünftig noch effizienter, bürgernäher und innovativer zu gestalten, unterstützt die 2013 ins Leben gerufene IÖB-Servicestelle (IÖB: Innovationsfördernde Öffentliche Beschaffung) mit kostenlosen Services und einem breiten Schulungs- und Beratungsangebot.

Herzstück der Initiative ist die IÖB-Innovationsplattform. Auf dieser Plattform ruft die IÖB-Servicestelle regelmäßig zu IÖB-Challenges auf, um öffentlichen Auftraggebern in Österreich die Suche nach innovativen Lösungen zu erleichtern. Die Challenges folgen dem Open Innovation Ansatz und geben Unternehmen die Chance, vielseitige und neue Lösungsansätze aufzuzeigen.

Wie funktionieren die Challenges?

Öffentliche Auftraggeber können eine Herausforderung veröffentlichen – Unternehmen werden dann aufgefordert, ihre Ideen und Lösungsvorschläge online einzureichen. Eine Jury bewertet diese und lädt die spannendsten Unternehmen zu einem Innovationsdialog ein. Die IÖB-Servicestelle begleitet und moderiert durch den gesamten Prozess und akquiriert Unternehmen für eine Teilnahme.

Service: Die neue aws IÖB-Toolbox – der Hebel für Innovation. Eine neue Förderung der aws in Kooperation mit der IÖB-Servicestelle stellt einen neuen finanziellen Hebel für die Umsetzung innovativer Beschaffungsprojekte zur Verfügung. Mit bis zu 50 Prozent bzw. max. 100.000 EUR können sich öffentliche Stellen innovative Beschaffungsprojekte fördern lassen. Diese Förderung löst den IÖB-Projektwettbewerb ab, der bis einschließlich 2018 innovative Beschaffungsprojekte prämierte. Ausgezeichnete Projekte der letzten Jahre umfassen beispielsweise den Einsatz von künstlicher Intelligenz im Prozess der Kostenrückerstattung der Sozialversicherungen (IT-SV).

INFObox: Die IÖB-Servicestelle ist eine Initiative des Bundesministeriums für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort (BMDW) zusammen mit dem Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) in Kooperation mit der Bundesbeschaffung GmbH und gleichzeitig der One-Stop-Shop zum Thema innovationsfördernde öffentliche Beschaffung. Als Netzwerk- und Unterstützungsstelle für alle Innovatoren in der öffentlichen Verwaltung baut die IÖB-Servicestelle Brücken zwischen innovativen KMUs bzw. Startups und öffentlichen Institutionen. Das Serviceangebot richtet sich an alle öffentlichen Institutionen der Republik sowie öffentliche Unternehmen. Gemeinsames Ziel ist es über die Beschaffung innovativer Lösungen Effizienz- und Modernisierungsimpulse im öffentlichen Sektor zu setzen und gleichzeitig die Wertschöpfung am Standort Österreich zu stärken.