Kategorie Energie - 13. Mai 2020

Hohe Zustimmung der Bevölkerung zu erneuerbaren Energien & engagierter Klimapolitik

Wie steht die österreiche Bevölkerung zu erneuerbaren Energien? Das untersucht jedes Jahr die repräsentative Studie Erneuerbare Energien in Österreich. Die kurz vor dem Beginn der Corona-Krise durchgeführte Befragung von über 1.000 Konsumentinnen und Konsumenten ist eine Art jährliches Stimmungsbarometer und zeigt zwei deutliche Tendenzen: Eine hohe Akzeptanz für erneuerbare Energien und eine breite Befürwortung von klimapolitischen Maßnahmen.

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Ein Team um Nina Hampl, die am Institut für Produktions-, Energie– und Umweltmanagement der Universität Klagenfurt und dem Institute for Strategic Management der Wirtschaftsuniversität Wien forscht, verfolgt seit mittlerweile fünf Jahren, wie groß die Akzeptanz für Anlagen zur Gewinnung erneuerbare Energien in Österreich ist. In der Studie von Uni Klagenfurt, WU Wien, Deloitte Österreich und Wien Energie werden Privatpersonen in ganz Österreich befragt, ob sie unterstützen würden, dass in ihrer Gemeinde ein neues ökologisches Kleinwasserkraftwerk, eine Photovoltaikanlage oder Windräder – in angemessener Entfernung zum bewohnten Gebiet – errichtet würden.

Das Bild, das die Österreicher von erneuerbaren Energien haben, ist demnach sehr positiv. Im landesweiten Durchschnitt sprechen sich 77 Prozent der Befragten klar dafür aus, unter den Jugendlichen ist dieser Wert sogar höher, 82 Prozent. Am besten schnitt die Solarenergie ab: Rund 88 Prozent würden eine Photovoltaikanlage in der Wohngemeinde unterstützen, 74 Prozent ein kleines Wasserkraftwerk und 67 Prozent Windräder nahe der Gemeinde, konstatiert der Bericht für das Jahr 2019.

Die Verfassenden der Studie sind sich außerdem einig, dass man wegen der Coronakrise das Engagement für eine Energiewende auf keinen Fall zurückfahren dürfe, sondern „man sich aus der Wirtschaftskrise herausinvestieren sollte“, indem man erneuerbare Energien unterstützt. Gerade wegen der aktuellen Krise wäre ein Umdenken und lokal produzierte, erneuerbare Energie besonders zu fördern.

Die Bundesregierung zielt mit der bis 2030 avisierten Stromversorgung aus 100 Prozent erneuerbaren Energien sowie der angestrebten Klimaneutralität bis 2040 genau in diese Richtung. Nachhaltige und ökologisch sinnvolle Investitionen in sämtliche erneuerbare Energieträger insbesondere nach der Coronakrise werden zu einem wichtigen Faktor zur Ankurbelung unserer Wirtschaft. Richtig eingesetzt können Investitionen in diese neuen Technologien und Systemlösungen so zum Konjunkturmotor avancieren. Dieses Potential haben sowohl Unternehmen als auch Wirtschaftsforschende den Ernbeuerbaren unisono immer wieder bescheinigt.

Entsprechend erfreut zeigt man sich auch im Klimaschutzministerium über diesen Rückenwind aus der Bevölkerung. Dass mehr als drei Viertel der Menschen in Österreich erneuerbare Energien schätzen, ist große Unterstützung im Sinne der angestrebten klimapolitischen Ziele. Unterstrichen wird dies durch eine hohe Zustimmung für geplante Klimaschutz-Maßnahmen.

Konjunkturmotor Klimaschutz

Von einer deutlichen Mehrheit wird beispielsweise auch die Einführung eines klimafreundlichen 1-2-3-Tickets für den öffentlichen Verkehr sowie eine ökologische Steuerreform unterstützt. Eine Taskforce unter der Leitung von Klimaschutzministerin Leonore Gewessler ist dabei, erste Maßnahmen einer solchen Reform zu erarbeiten. Eine Ökosteuerreform als Ganzes soll bis 2022 umgesetzt werden, um klimaschädliche Emissionen zu bepreisen und im Gegenzug Private und Unternehmen aufkommensneutral zu entlasten.

„Investitionen in den Klimaschutz sind Motor für die Konjunktur und schaffen Arbeitsplätze: Sie sind gerade jetzt wichtig, damit aus der Coronakrise keine ausgewachsene Wirtschafts- und Arbeitsmarktkrise wird“, so Gewessler.

Der vom BMK gemeinsam mit der Industrie erarbeitete Umsetzungsplan zur Energieforschungsinitiative im Nationalen Energie und Klimaplan zeigt nicht nur das deutliche Bekenntnis österreichischer Unternehmen zur Entwicklung klimafreundlicher Technologien und Lösungen, sondern erhält durch die aktuelle Studie ebenfalls Rückendeckung der österreichischen Bevölkerung. Zu den drei Forschungsmissionen Plus Energie Quartiere, Regionale integrierte Energiesysteme und Breakthrough Technologien für die Industrie formulierten interdisziplinäre Teams aus Forschung und Unternehmen 39 konkrete technologische Entwicklungspläne, die als potentielle Geschäftsfelder zur Positionierung österreichscher Technologien auf den zunehmend globalen Märkten gesehen werden.

Globale Tragweite hat dieses Thema sowieso. Weltweit wird intensiv an sauberen Energietechnologien und intelligente Energielösungen geforscht. Österreich ist seit 2018 in der internationalen Forschungsallianz Mission Innovation mit der Initiative Vorzeigeregion Energie vertreten. 23 Staaten und die Europäischen Union sind in diesem Netzwerk mit an Bord.

Vorzeigeregionen Energie: Geht es in Österreich um die Energiewende, also den für den Wirtschaftsstandort umfassenden Umbau des Energiesystems, der Infrastruktur und der Produktionsprozesse, sind die Vorzeigeregionen nicht mehr wegzudenken. In großangelegten Reallaboren arbeiten über 200 Projektpartner, Unternehmen, Industriebetriebe und Forschungseinrichtungen an der Energiezukunft Österreichs und sollen das Land international als Energieinnovationsland positionieren. Bis zu 120 Millionen Euro Förderbudget des Klima- und Energiefonds stehen für drei Vorzeigeregionen in den nächsten Jahren zur Verfügung. Wesentlicher Teil dieser österreichischen Initiative sind die Green Energy Labs. Darin entwickeln und testen mehr als 100 Partner aus Forschung, Wirtschaft und der öffentlichen Hand gemeinsam mit den vier Landesenergieversorgern Energie Burgenland, Energie Steiermark, EVN und Wien Energie nachhaltige Energielösungen.

Derzeit tagen Vertretende der Mitgliedsländer der Mission Innovation in zahlreichen Online-Meetings, um die wichtige Rolle von Innovation und Forschung im Bereich Erneuerbare und Energiegemeinschaften herauszustreichen. Ein Thema, welches auch in der Studie Erneuerbare Energien in Österreich berücksichtigt wird und anhand dessen sich auch ein großer Zuspruch seitens der Bevölkerung zum Einsatz solcher Lösungen ablesen lässt.

Die in der Studie aufgezeigte wachsende Begeisterung für Gemeinschaftsanlagen und Energiegemeinschaften zeigt, dass die Entwicklungen aus den Forschungs- und Innovationsprogrammen die Bedarfsentwicklung exakt treffen. Bereits rund zwei Drittel der österreichischen Befragten ziehen eine aktive Beteiligung bei solchen Anlagen in Betracht. Mit diesen können Privatpersonen gemeinsam Strom oder Wärme erzeugen, verbrauchen, speichern und verkaufen. Besonderen Wert legen österreichische Konsumierende darauf, dass Energie lokal und auf Basis erneuerbarer Energiequellen erzeugt wird.

Im BMK werden momentan die neuen Rahmenbedingungen dazu, in Umsetzung der EU Direktive zu Energiegemeinschaften, ausgearbeitet. Seit 2017 ist es in Österreich möglich, mittels einer Gemeinschaftlichen Erzeugungsanlage den Strom, der auf einem Gebäude erzeugt wird, allen Bewohnerinnen oder Mietern zur Verfügung zu stellen. Im nächsten Schritt wird es mit den neuen Energiegemeinschaften in Zukunft möglich sein, auch über die Grundstücksgrenzen hinweg, in gewisser regionaler Entfernung, Strom zu produzieren, gemeinsam zu nutzen, zu speichern, und auch zu handeln, was eine deutliche Dynamisierung dieser Entwicklung erwarten lässt.

Wie können Communities für erneuerbare Energien aufgebaut werden? Welche Strukturen, welche Business-Modelle führen zum Erfolg und wie wirken diese auf Elektrizitätssysteme in Bezug auf Sicherheit und Klimaschutz? Über 300 Teilnehmende aus 28 Ländern diskutierten diese Fragen im Rahmen eines Online-Events der Mission Innovation Austria. graphic recording by © Robert Six

Umso wichtiger wird es sein, diesen Innovationsschub durch entsprechende öffentliche Programme und Initiativen zu begleiten, damit zuverlässige und breitentaugliche Lösungen entstehen. Einerseits müssen diese die Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger treffen und andererseits sollen sie einen positiven Beitrag zum Management und zur Resilienz des Energiesystems leisten. In der aktuellen Veranstaltungsreihe „Mission Innovation Austria Online“ widmet sich das BMK gemeinsam mit dem Klima- und Energiefonds dem Thema Energiegemeinschaften aus der Perspektive der Forschung und Entwicklung. In regelmäßigen Veranstaltungen werden österreichische Initiativen und Pilotprojekte vorgestellt, die bereits heute demonstrieren, wie Energiegemeinschaften umgesetzt werden können. Dabei werden unter anderem involvierte Gemeindevertreter und BürgerInnen zu Wort kommen.

36 Mio Euro für Ausbau der Photovoltaik

Wie eingangs erwähnt, erhielt in der Studie zu den Erneuerbaren die Solarenergie den meisten Zuspruch in der Bevölkerung. Auch diese Entwicklung kann das BMK unterstützen und hat erst im März die neue Förder-Saison für Photovoltaik-Anlagen und Stromspeicher eingeläutet. Insgesamt werden über diesen Förder-Topf 36 Millionen Euro vergeben. Das ist ein Förderplus von 21 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr – mehr als eine Verdoppelung (+140 Prozent).

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Die Fördersumme gibt es nicht nur heuer, sondern in gleicher Höhe auch in den Jahren 2021 und 2022. Dazu wird auch die bewährte Klima- und Energiefonds-Förderung in einem weiteren Schritt fortgesetzt. Und mit dem Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) und vielen weiteren Initiativen wird das BMK die Förderung von Erneuerbaren Energien langfristig stabil absichern, für Private und Unternehmen auf neue Beine stellen und einer bedeutenden Branche Planungssicherheit für die Umstellung auf 100 Prozent Strom aus Erneuerbaren bis 2030 geben.

INFObox: Die Energiewende ist der Weg in eine Zukunft mit nachhaltigen Energiequellen hin zu einer kohlenstoffarmen Industriegesellschaft. Der Ausbau der Energieeffizienz, der erneuerbaren Energien, der intelligenten Netze sowie der Energiespeicher sind dabei die zentralen Handlungsfelder der Energiewende. Das BMK untertsützt diese Transformation auch durch die geförderten Projekte des Klima- und Energiefonds mit den Vorzeigeregionen Energie.