Kategorie Informationen & Tipps - Vor 4 Tagen

e-Mobility-Check: Wie kommt die Ladestation in den Wohnbau?

Allein zur Erreichung der österreichischen Klimaziele müssten die CO2-Emissionen im Verkehrssektor bis 2030 um 36 Prozent reduziert werden. Auch bei den Pariser Klimazielen haben sich die Unterzeichnerstaaten – und damit auch Österreich – dazu verpflichtet, die Emissionen des Verkehrs drastisch zu senken und den Anteil von emissionsfreien und emissionsarmen Fahrzeugen zu erhöhen. Die Elektromobilität sowie die Nachrüstung von Ladestationen in Wohnanlagen ist dafür eine notwendige Voraussetzung. Bisher bildete jedoch die rechtlich sehr komplizierte Nachrüstung einer Ladestation eines der größten Hindernisse beim Umstieg auf ein E-Fahrzeug.

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Wie kann in einer Wohnanlage eine Ladeinfrastruktur (stufenweise) errichtet werden und was würde das Kosten, was wäre dabei zu beachten? Fragen, die sich bereits jetzt für fast jede Wohnanlage stellen, ob Neubau oder Altbestand. Fragen, die aber auch der e-Mobility Check beantworten kann. Der Leitfaden, der die flächendeckende Errichtung von Ladeinfrastruktur in Bestandswohnanlagen unterstützen soll, wurde in einem vom Klima- und Energiefonds geförderten Projekt von der AustriaTech mit der EBE Mobility & Green Energy GmbH erarbeitet. Darin sind die wichtigsten Aspekte zum Thema zusammenfasst, Praxisbeispiele für Kostenblöcke erläutert sowie technische und organisatorische Empfehlungen enthalten.

Bei der Umsetzung von Ladeinfrastruktur-Projekten im Bestandswohnbau müssen viele technische, organisatorische und rechtliche Rahmenbedingungen berücksichtigt werden.  Zusätzlich wurden auch ein Leitprozess, ein Excelkalkulationstool sowie Protokolle und Checklisten für durchführende Unternehmen entwickelt, um eine Nachrüstung von E-Ladestationen in allen Bestandswohnanlagen nach einheitlichen Qualitätskriterien und Standards zu ermöglichen.

„Für die Erreichung der Klimaziele müssen über 400 private Wallboxen jeden Werktag österreichweit installiert werden, für die Klimaneutralität 2040 etwa doppelte so viele“, konstatiert Thomas Eberhard, Teamleiter Dekarbonisierung & Fahrzeugtechnologien bei der AustriaTech. „Dafür braucht es neben einheitlichen Kriterien, die im Leitfaden zu finden sind, auch attraktive Förderungen und eine Erleichterung im Wohnrecht für die Nachrüstung von Ladestationen.“

Im Folgeprojekt e-Mobility Check 2.0 Schulungsprogramm sollen aufbauend auf den erarbeiteten Erkenntnissen eine Schulung für Elektrikerinnen, E-Planende und andere Interessierte ausgearbeitet werden, um den e-Mobility-Check qualitätsgesichert für möglichst viele Menschen zugänglich zu machen.

Das Recht auf eine saubere Mobilität

Wichtigste Wegmarke für die Fortentwicklung der E-Mobilität war dieses Jahr ohne Zweifel der Ausbau der E-Mobilitätsoffensive durch das Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK). Als ökologischer Teil des Konjunkturpakets der österreichischen Bundesregierung erhielt die E-Mobilitätsförderung so neuen Auftrieb und bleibt damit ein wichtiger Hebel auf dem Weg zu einer echten Verkehrswende.

Kern dieses neuen E-Mobilitätspakets: Eine massive Erhöhung der Bundesförderung für E-Fahrzeuge und der zugehörigen Ladeinfrastruktur.

Auch die Initiative Right to Plug der österreichischen Bundesregierung hat sich dem vereinfachten Ausbau von Ladeinfrastruktur verschrieben und sich zum Ziel gesetzt, regulatorische Hindernisse bei der Implementierung und dem Ausbau von E-Lösungen im Wohnrecht abzubauen. Damit wird auch der EU-Gebäudeeffizienzrichtlinien 2018/844 Rechnung getragen, die genau dies von den Mitgliedsstaaten einfordert.

Right to Plug soll die Installation von E-Ladestationen für Wohnungseigentümer und -eigentümerinnen an ihrem Fahrzeug-Stellplatz in einem Mehrparteienhaus deutlich einfacher gestalten und komplizierte rechtliche Zustimmungshürden abbauen. Verkürzt gesagt ist es das Recht auf eine Ladestation für das E-Auto am Stellplatz. Das „Right to Plug“ kann dabei durchaus an das Einhalten von gewissen Kriterien, wie beispielsweise der Maximalleistung, geknüpft sein, um einen geregelten Ausbau sicherzustellen.

»Right to Plug«: E-Mobilität erhält Einzug in den Wohnbau

Die stetig steigenden Zahlen an Zulassungen von E-Pkw in Österreich zeigen den Bedarf unter der Bevölkerung auf, der sich folglich auch auf private Ladestationen niederschlägt. Letztlich werden durch Right to Plug und die Vereinfachung des Wohnrechts auch die heimischen Gerichte entlastet. Ohne Vereinfachung würden im jetzigen System mehrere Tausend Außerstreitverfahren jedes Jahr auf die Gerichte zukommen, wenn sich Parteien eines Wohnhauses etwa nicht bei der Implementierung einer E-Ladestation einig werden können. Eine Vereinfachung bringt somit eine Win-win-Situation und eine Entlastung der Gerichte mit sich.

Höhere Förderungen als Anreiz für Umstieg

Um den positiven Kurs in Richtung umweltfreundlicher Elektromobilität beizubehalten und zu steigern, hat das BMK die Förderbudgets und auch die Fördersätze für die gemeinsame E-Mobilitätsoffensive mit der Fahrzeugwirtschaft erhöht und eine vereinfachte Errichtung von Ladeinfrastruktur in Mehrparteienhäusern auf den Weg gebracht. Konkret bedeutet das:

  • Eine Verdreifachung der Förderung für private E-Ladeinfrastruktur.
  • Eine Erhöhung der Förderung für E-Ladeinfrastruktur für Betriebe, Gebietskörperschaften, Vereine um 50 Prozent.
  • Ein Bonus für private E-Ladeinfrastruktur:
    • Wallbox (Heimladestation) oder intelligentes Ladekabel: 600 Euro
    • OCCP-fähige Ladestation bei Installation in einem Mehrparteienhaus: 1.800 Euro
  • Für öffentlich zugängliche E-Ladeinfrastruktur
    • Normalladen Wallbox oder Standsäule <3,7 kW: 300 Euro
    • Normalladen Wallbox >3,7 bis 22 kW kW: 300 Euro
    • Normalladen Standsäule >3,7 bis 22 kW kW: 1.500 Euro1
    • Beschleunigtes Laden >22 kW: 3.000 Euro
    • Beschleunigtes Laden ≥50 kW 15.000 Euro
  • Für E-Mobilitätsmanagement, E-Flotten und E-Logistik
    • DC Schnellladestationen für Nutzfahrzeuge ≥150 kW: 30.000 Euro (nur in Kombination mit Ankauf von E-Nutzfahrzeug bzw. E-Bus)

SERVICE: Die wichtigsten Zahlen und Entwicklungen rund um das Thema Elektromobilität fasst auch das Monitoring der AustriaTech für 2019/2020 zusammen. Das monatlich erscheinende Zahlen, Daten & Fakten-Blatt bietet einen kompakten Überblick zu aktuellen Entwicklungen in der Elektromobilität: aktuelle Zahlen zu bestehenden und neuzugelassenen Fahrzeugen aller Art sowie eine Übersicht aller Ladepunkte für Elektrofahrzeuge in Österreich. Die Factsheets sind auch in englisch verfügbar! Weitere Informationen finden Sie zudem auch unter: bmk.gv.at/elektromobilitaet

Start der E-Mobilitäts-Offensive 2020