Kategorie Klima- & Umweltschutz - 14. Juni 2021

Wie Natur und Klima zugleich zu schützen sind

Klimaschutzmaßnahmen können schwere Folgen für die Artenvielfalt haben. Davor warnen Wissenschaftler:innen und fordern, die Klima- und die Artenvielfaltskrise wie zwei Seiten einer Medaille zu betrachten. Sonst könnten vermeintliche Lösungen für die eine Krise die andere noch verstärken, heißt es in einem veröffentlichten Bericht des Weltbiodiversitätsrats IPBES und des Weltklimarats IPCC. Sie berieten erstmals gemeinsam über Lösungen für die eng verflochtenen Krisen.

Guter Artenschutz diene dem Klima, argumentieren die Wissenschaftler:innen. Die gemeinsamen Forderungen der Forschenden lauten daher, dass die Klima- und die Artenvielfaltskrise grundsätzlich aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden müssen. Der Bericht verlangt,

„Klimaschutz wird oft ohne Artenvielfalt gedacht, das müssen wir ändern“, so einer der Autoren, Klimaforscher Hans-Otto Pörtner vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven in einem Pressegespräch des Science Media Centers. Als Beispiel für Maßnahmen, die beides fördern, gilt die Wiederherstellung von Mooren. Sie können viel klimaschädliches CO2 binden und sind gleichzeitig ein Biotop für viele Arten.

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Ein Beispiel für schädliche Einflüsse von Klimamaßnahmen nennt Ko-Autor Josef Settele vom Umweltforschungszentrum (UFZ) in Halle/Saale: „Biomasse-Plantagen sind eine richtig schlechte Idee, wenn wir Klimaschutz und Biodiversität kombinieren wollen“, sagt er. So hätten etwa Maisfelder für Biogas wenig Artenvielfalt. Probleme gebe es auch bei Aufforstung mit nur einer Baumart. Das sehe man im Harz, wo Fichtenplantagen unter dem Klimawandel litten und anfällig seien für Borkenkäfer. Monokulturen könnten auch Nährstoffkreisläufe und Wasserhaushalte stören.

Ein weiteres Beispiel sei die Elektromobilität, da zwar mehr Elekro- statt Verbrennungsmotoren das Klima schon würden, aber für die Batterien weiterhin Rohstoffe mit schädlicher Umweltbilanz benötigt würden.

Der Artenschwund hat viele Ursachen: Ausbau der Landwirtschaft und der Städte, Überfischung der Meere, Umweltverschmutzung und der Klimawandel. Die Zahl der Säugetiere, Vögel, Amphibien, Reptilien und Fische ist nach Angaben der Umweltorganisation WWF von 1970 bis 2016 um 68 Prozent zurückgegangen. Über Millionen Jahre sind zwar immer Arten ausgestorben und neue entstanden. Der Schwund passiere heute aber 1.000 bis 10.000 Mal schneller, als es ohne menschlichen Einfluss der Fall wäre, schätzt die Weltnaturschutzunion IUCN.

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