3. März 2022

Tag des Artenschutzes: Der Artenverlust bedroht uns alle

Der Tag des Artenschutzes ist im Rahmen des Washingtoner Artenschutzübereinkommens entstanden. Auf der Umweltkonferenz der Vereinten Nationen im Jahr 1972 einigte man sich, dass eine internationale Regelung notwendig ist, um das Aussterben mancher handelsrelevanteren Arten zu verhindern. Durch das Abkommen sollen unter anderem internationale Kontrollen die nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen sicherstellen. Denn der Handel mit gefährdeten Arten ist ein ebenso skrupelloses wie lukratives Geschäft.

Der Alpenbockkäfer, eine der prioritären, ergo bedrohten Arten im Österreich. © Nationalparks Austria/Baumgartner

Dabei bedroht der Verlust von Arten und Ökosystemen nicht nur das Leben von Tieren und Pflanzen, sondern bedeutet auch einen massiven Eingriff in unser Leben. Wir Menschen sind essentiell auf die biologische Vielfalt angewiesen – von Nahrungsmitteln bis hin zu Medikamenten. Biologische Vielfalt geht somit alle etwas an – stirbt eine Art, hat das verheerende Auswirkungen auf viele andere Arten und nicht zuletzt auch auf den Menschen. Es braucht die klare Botschaft: Vielfalt ist unsere Lebensversicherung!

Auch im aktuellen Bericht des Weltklimarats kommt die ernüchternde Erkenntnis zum Ausdruck, dass der menschengemachte Klimawandel bereits massive Schäden auch auf das ökologische Gleichgeweicht anrichtet hat. Die Zukunft von Mensch und Natur ist in Gefahr, wenn nicht sehr schnell gegengesteuert wird.

© Naturschutzbund

Verlust der Biodiversität

Die traurige Bilanz des Weltbiodiversitätsrats IPBES 2021 ist, dass weltweit etwa eine Million Arten vom Aussterben bedroht und bereits die Hälfte aller Ökosysteme schwer beschädigt sind. Auch in Europa und in Österreich, einem der artenreichsten Länder des Kontinents, kann trotz zahlreicher Bemühungen seit Jahren ein Verlust der Biodiversität beobachtet werden.

Um hier entschlossen entgegenzusteuern, dient die EU-Biodiversitätsstrategie 2030 als umfassender und langfristiger Plan zum Schutz der Natur. Auch Österreich leistet hier einen wichtigen Beitrag: Erst 2021 kündigte Umweltministerin Leonore Gewessler die Einrichtung eines Biodiversitätsfonds mit einem Budget von rund fünf Millionen Euro an.

„Es steht außer Zweifel, dass die biologische Vielfalt die Grundlage für unser Leben ist und der Schutz der Biodiversität mit höchster Priorität zu verfolgen ist. Mit der Umsetzung der geplanten Biodiversitäts-Strategie 2030 soll ein wesentlicher Beitrag zu einem umfassenden Wandel in unserer Gesellschaft geleistet werden, um Artenschutz und Klimaschutz gleichermaßen voranzubringen“ so Christian Holzer Leiter der  Sektion V – Umwelt und Kreislaufwirtschaft des BMK.

Von den mehr als 200 Einreichungen werden aktuell 14 Projekte gefördert. Dank der Novellierung des Umweltförderungsgesetzes werden auch dieses Jahr Projekte mit Geldern des Fonds gefördert.

Dabei erhielten Projekte wie jenes des Umweltbundesamtes zur Einrichtung eines bundesweiten Systems für die Erfassung der Biodiversität in Österreich Unterstützung. Speziell für Wildbienen interessierten sich als Projektträger BOKU, Uni Salzburg, Wildbienenrat und Naturschutzbund Österreich, für die Vielfalt von Obstsorten die Arche Noah. Ein schon laufendes Monitoring für Seeadler des WWF wird fortgeführt.

Die Zielsetzungen im Natur- und Artenschutz des BMK sind der Schutz der Biodiversität auf Ebene der Arten und Ökosysteme, die Nutzung der Naturgüter auf nachhaltige und naturverträgliche Weise durch umweltgerechte Landwirtschaft sowie die Förderung des Naturschutzes als gesamtgesellschaftliche Aufgabe durch Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit und Bewusstseinsbildung. Der Weg dahin ist ein langer, doch die Uhr steht auf 5 vor 12. Wenn nicht jetzt, dann sieht die Zukunft mehr als nur düster aus.

Nationalparks Austria als Rückzugsort für Arten

Stete Verbündete im Kampf für den Erhalt der Biodiversität sind die Nationalparks Austria. Sie gelten als die ökologisch wertvollsten Naturräume unseres Landes. In den sogenannten Kernzonen werden Naturprozesse nicht vom Menschen beeinflusst, sondern ihren freien Lauf gelassen. Die Natur kann sich somit ungestört frei entwickeln.

Zusammengerechnet erstrecken sich die sechs Schutzgebiete über eine Fläche von 2.391 km² und bieten dabei – je nach untersuchter Tierart – ein Zuhause für stolze 79-94 Prozent aller österreichischen Tierarten. Auch 70 Prozent der einheimischen Pflanzen-Arten können in den Nationalparks gefunden werden. Am heutigen Tag des Artenschutzes werfen wir einen genaueren Blick auf die heimischen Tiere, auf ihren Schutz und ihr Überleben.

So galt beispielweise der Luchs, eines der europäischen Großraubtiere, vor 100 Jahren als ausgerottet. Durch gezielte Wiederansiedlung kann er heute wieder im natürlichen Raum gefunden werden. Auch der Seeadler, das Wappentier Österreichs, galt bis vor mehr als 50 Jahren noch als ausgerottet und ist nun zurückgekehrt. Doch nicht alle Arten haben das Glück wieder angesiedelt werden zu können. Manche von ihnen wie z.B. der Hirschkäfer oder der Donau-Kammmolch sind durch die Zerstörung ihrer natürlichen Lebensräume hauptsächlich nur mehr in den Naturparks Austria zu finden und gelten daher als stark gefährdet.

© Donau Auen/ Kovacs

Das Gleichgewicht der Biodiversität ist dabei synonym nicht nur eng mit der Klimakrise verknüpft, sondern steht auch in enger Beziehung zu unserer Gesundheit. Der Erhalt des Artenreichtums, also der Vielfalt aller Arten, Gene und Ökosysteme, sind eine wesentliche Grundlage für unser Wohl, sorgt für saubere Luft, sauberes Trinkwasser, Nahrung und Arzneimittel, bietet Schutz vor Naturgefahren und Erholungs- und Erfahrungsraum. Der voranschreitende Verlust biologischer Vielfalt birgt im Umkehrschluss also auch enorme Risiken für die menschliche Gesundheit. Naturnahe Landschaften und ihre Vielfalt können so nicht nur Pflanzen, sondern auch uns Menschen schützen, denn auch bei der Übertragung von Krankheitserregern von Tier zu Mensch, sogenannten Zoonosen, wie sie in aktueller Pandemie als Ursprung vermutet werden, senkt Artenreichtum nachweislich ein solches Infektionsrisiko.

Wie Natur und Klima zugleich zu schützen sind